Studiengang der Zukunft: Cyber Security an der BTU

Mehrere Tausend Hackerangriffe muss die Bundesregierung täglich abwehren, selbst bei Unternehmen wie Mercedes oder Siemens sind es mehrere Hundert. Der Bedarf an gut ausgebildeten IT-Sicherheitsspezialisten steigt ständig und hat seinen Höhepunkt vermutlich noch lange nicht erreicht: rund 40.000 offene Stellen gibt es derzeit. Folgerichtig führte die BTU Cottbus-Senftenberg zum Wintersemester 2017 den neuen Masterstudiengang Cyber Security ein – als erste Universität Deutschlands. Wir haben uns mit Juniorprofessor Steffen Helke aus dem Fachbereich Sichere Softwaresysteme unterhalten, der maßgeblich an der Entwicklung des neuen Studiengangs beteiligt war. 

Das Thema IT-Sicherheit ist momentan in aller Munde, nicht zuletzt aufgrund von Angriffen wie mit der Ransomware WannaCry. Was schätzen Sie, wie viel Prozent der weltweiten Straftaten passieren mittlerweile online?

Laut dem Bundesministerium des Innern stieg die Computer-Kriminalität von etwa 70.000 (2015) auf mehr als 100.000 (2016) an – bei einer Aufklärungsquote von knapp 38%. Die genannten Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die in Deutschland registrierten Straftaten. Ohne Zweifel ist auch weltweit ein Anstieg zu verzeichnen und es ist daher dringend erforderlich, vor allem präventiv tätig zu werden, um sich vor Angriffen besser zu schützen. Zumal die Dunkelziffer noch wesentlich höher liegt.

Werden IT-Sicherheitsspezialisten momentan immer wichtiger oder gab es einen solchen Bedarf schon früher?

Diverse Innovationstreiber, wie das Internet der Dinge, die anstehende Digitalisierung der Produktionsprozesse (Industrie 4.0), das autonome Fahren oder der verstärkte Einsatz intelligenter Datenanalyse (Big Data) in Kombination mit cloudbasierter Datenhaltung führen zu neuen Cyber-Bedrohungen. Gerade auch kritische IT-Infrastrukturen, wie wir sie im Energie- oder Gesundheitssektor finden, müssen ausreichend geschützt werden. Deshalb ist schon seit einigen Jahren eine wachsende Nachfrage nach qualifizierten IT-Sicherheitsexperten zu beobachten.

Welche Voraussetzungen sind nötig, um sich für den Masterstudiengang Cyber Security an der BTU Cottbus-Senftenberg zu bewerben?

Dafür benötigen BewerberInnen zunächst einen erfolgreichen Bachelorabschluss im Fach Informatik oder in einem vergleichbaren informatiknahen Studiengang. So sind auch Mathematiker mit Nebenfach Informatik i.d.R. qualifiziert und werden zugelassen. Da alle Lehrveranstaltungen ausschließlich in englischer Sprache gehalten werden, wird bei der Bewerbung zusätzlich ein Sprachzertifikat (z.B. TOEFL mit 79 Punkten oder vergleichbarer Sprachabschluss) gefordert. 

Wo kann man mit dem Abschluss in der Praxis eingesetzt werden?

IT-Sicherheitsexperten werden sowohl in staatlichen Organisationen und Behörden als auch in den Rechenzentren großer Unternehmen benötigt. Aber auch Militär- oder Nachrichtendienste suchen Security-Experten. Sogar KMUs (kleine und mittlere Unternehmen) benötigen zunehmend professionelle Sicherheitsdienstleistungen, entweder aus dem eigenen Haus oder über externe Firmen, die „Security as a Service“ bereitstellen. Darüber hinaus werden zunehmend auch IT-Entwickler gesucht, die dazu in der Lage sind, Security-Aspekte bereits beim Entwurf eines Systems zu berücksichtigen ("Security by Design").      

Der Studiengang ist international und soll Studierende aus aller Welt anziehen. Warum sollte sich ein Engländer, Italiener oder Franzose für ein Cyber Security Studium an der BTU Cottbus-Senftenberg entscheiden?

Das Informatik-Institut an der BTU Cottbus-Senftenberg ist mit 13 Professuren sehr gut aufgestellt und genießt national und international ein hohes Ansehen. Das Thema Sicherheit ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt in Forschung und Lehre. Der neue Studiengang wird im Kern von vier Professuren (IT-Sicherheit, Sicherheit in pervasiven Systemen, Rechnernetze und Kommunikationssysteme sowie Sichere Softwaresysteme) getragen. Aber auch die anderen Lehrstühle bieten im Rahmen von Wahlfächern englischsprachige Angebote. Dadurch ist es Studierenden möglich, entsprechend ihrer Neigungen Schwerpunkte im Studium zu setzen und das facettenreiche Thema Cyber-Sicherheit auf vielfältige Art und Weise zu vertiefen. Abgerundet wird das Angebot mit einer mathematischen Kryptologie-Vorlesung und einer Veranstaltung zu IT-Recht, wobei die letztere insbesondere auch auf europäische IT-Sicherheitsgesetze eingeht. In einer globalisierten Welt sind Sicherheitskonzepte nicht allein auf nationaler Ebene zu regeln. Viele Firmen agieren europa- oder sogar weltweit und müssen sich an Normen und Gesetzen orientieren, die über die eigenen Ländergrenzen hinausgehen.

Neben fachlichen Gründen, die für ein Studium an der BTU Cottbus-Senftenberg sprechen, möchte ich das attraktive soziale Umfeld auf unserem Campus hervorheben. Im Gegensatz zu einer Massenuniversität werden Studierende an der BTU Cottbus-Senftenberg in kleinen Seminargruppen unterrichtet. Dies fördert den Teamgeist und erleichtert es, bspw. Sprachbarrieren zu überwinden. Studierende kennen ihre Professoren persönlich, die sie individuell entsprechend ihrer fachlichen Voraussetzungen bei der Zusammensetzung des Studienplans beraten. Obwohl Cottbus auch kulturell viel zu bieten hat, mag BewerberInnen eventuell in diesem Punkt eine Metropole wie Berlin attraktiver erscheinen. Dank des Semestertickets ist auch das kein Problem, denn kostenfreie Ausflüge mit Kommilitonen zur Erkundung der nicht weit entfernten Großstadt sind leicht umzusetzen.

https://www.b-tu.de/cybersecurity-ms/steckbrief