Im Interview: DJ Goa Jonas

Ob das OZORA-Festival in Ungarn, das Psy-Fi in den Niederlanden oder die Antaris auf dem ältesten Flugplatz der Welt in Stölln – kein Goa-Festival mit Rang und Namen findet ohne Goa Jonas statt. Seine Leidenschaft: Psytrance. Angefangen mit dem Auflegen hat der gebürtige Hamburger schon mit zwölf Jahren in Indien, mit nur 14 Jahren spielte er bereits auf dem Boom Festival, dem größten Goa-Festival weltweit. Am 9. Februar kommt er zur Urknall-Party erstmals nach Cottbus ins Scandale und legt dort ein 3-Stunden-Set zur Maintime auf. Wir haben ihn zur Goa-Szene und zu seiner ungewöhnlichen Jugend interviewt.

Beschreibe einem Szene-Neuling in einem Satz, was ihn auf Goa-Partys erwartet.

Wer zum ersten Mal auf eine Goa-Party geht, wird staunen über die wundervolle Dekoration, liebe Menschen, ausgelassene Stimmung und natürlich gute Musik zum Tanzen!

Wie bist du das erste Mal zur Goa-Musik gekommen und welche waren die ersten Acts, für die du dich begeistern konntest?

Meine Mutter ist mit mir und meinen Geschwistern nach Goa (Indien) ausgewandert, da war ich sieben Jahre alt und Goa-Musik war das, was dort überall lief. Mit zwölf habe ich dann einen Bekannten von mir, DJ Christian, gefragt ob er mir nicht Auflegen beibringen könnte. Die ersten Acts, die mich begeisterten, waren: Hallucinogen, Oforia, Etnica, Astral Projection und GMS – ich habe damals sehr viele Tracks von denen gespielt.

Was fasziniert dich bis heute an dieser Szene und Musik? Was macht eine gelungene Goa-Party aus?

Das was mich am meisten an dieser Szene fasziniert, ist die Szene selbst. Es gibt so viele liebe Menschen, auf den meisten Partys ist es sehr familiär und jeder kümmert sich um den anderen. Es ist auch sehr schön, dass auf Goa-Partys alle Altersklassen zusammenkommen und friedlich feiern. Eine gute Party machen schöne Dekoration, ein gutes Soundsytem und gute Musik aus. Aber am wichtigsten sind liebe Menschen und gute Stimmung – dann ist es auch eine super Party ohne die oben genannten Dinge.

Wie kam es zu deinem ersten Auftritt in Goa – gab es sowas wie einen Mentor für dich?

Wie oben schon kurz erwähnt war mein Mentor DJ Christian aus Dänemark, der heutzutage nicht mehr auflegt. Ich habe damals bei ihm zuhause monatelang jeden Tag Mixen geübt – wohlgemerkt mit D.A.T. Kassetten, welche damals in Goa der DJ-Standard waren. Anfangs hatte ich mit ihm auch zusammen aufgelegt, bis ich meine eigenen Kassetten-Kollektion aufgebaut hatte. Mein erster Gig war mit Christian in der Shore Bar Ende 1995 am Strand in Goa. Kurz danach folgten dann auch meine ersten Partys, bei denen ich aber wegen meines Alters von zwölf Jahren immer nur ganz am Anfang oder früh am Morgen aufgelegt habe.

Gab es in deiner Laufbahn einen Gig, der dich so beeindruckt hat, dass du noch deinen Enkelkindern davon erzählen wirst?

Es gab schon wirklich sehr viele unvergessliche DJ-Momente und eigentlich ist jeder Gig für sich speziell – aber ein Gig, den ich nie vergessen werde, ist der auf dem Boom Festival 1998, als ich 14 Jahre alt war. Ich war sowas von aufgeregt, da zu stehen und dann ging auch noch die D.A.T.-Maschine mitten in meinem Set kaputt. Aber zum Glück hat am Ende alles gut geklappt.

Andere Jugendliche in den 90ern haben Gameboy oder Tamagochi gespielt, du hattest mit 14 also deine ersten internationalen Gigs. Sind diese Trends an dir vorbeigezogen oder hattest du auch „normale“ 90ies-Kids-Momente?

Doch, ein paar solche Momente hatte ich auch. Zwar hatte meine Familie nie viel Geld (wir haben zweimal in einer Hütte am Strand gelebt und einmal sogar knapp sechs Monate in einer Höhle), und wir besaßen nie einen Fernseher oder einen Gameboy. Dafür hatte ich während der Saison ein paar europäische Freunde, die bei sich einen Gameboy oder Super Nintendo hatten, und ich bin dann immer zu denen zum Zocken gegangen.

Wenn du nicht schon in jungen Jahren erfolgreich aufgelegt hättest, welchen alternativen Lebensweg (Ausbildung, Studium, Work & Travel etc.) hättest du gerne eingeschlagen?

Hm, wer weiß … Ich denke, dann würde ich etwas anderes Kreatives machen, Grafik-Design oder ähnliches.

Du bist in Hamburg geboren, hast einen Großteil deiner Kindheit in Goa in Indien verbracht und reist zur Urknall-Party am 9.2. aus Dänemark an. Wo siehst du deine Heimat, wo fühlst du dich Zuhause?

Zuhause ist man da, wo man sich wohl fühlt. Ich setze mich da nicht so fest und habe mich eigentlich überall, wo ich in meinem Leben gelebt habe, zuhause gefühlt. Aber natürlich ist Deutschland mein Geburtsland und da wo ich am meisten Zeit in meinem Leben verbracht habe. Gerade Indien hat einen ebenso besonderen Platz, da ich dort die sehr wichtige Zeit des Erwachsenwerdens verbracht habe.

Mittlerweile gibt es vor allem in Berlin und Hamburg ein sehr großes Angebot an Goa-Partys, und auch in Cottbus ist 2017 mit der Urknall-Serie die erste Partyreihe entstanden. Ist Psytrance deiner Meinung nach noch eine Undergroundbewegung oder schon im Mainstream angekommen?

Es ist ein wenig beides im Vergleich zu der Zeit, in der ich angefangen habe. Heute, 22 Jahre später, ist die Szene um ein hundertfaches größer geworden und zum Teil sehr kommerziell, aber der Großteil der Partys ist immer noch im Underground und die Menschen in der Szene sind meistens noch sehr alternativ und esoterisch unterwegs. Dadurch hält sich Psytrance doch noch immer im Underground auf.

Was hältst du davon, dass viele Headliner nur noch 60 bis 90 Minuten spielen – und wie lange geht deine „Lieblings-Playtime“?

Für einen sogenannten Live-Act sind 1-2 Stunden in Ordnung, denn wenn er nur seine eigene Musik spielt, kann es bei längerer Playtime ein wenig langweilig werden. Ein guter DJ dagegen kann viele verschiedene Künstler kombinieren – und eine interessante Geschichte erzählen, die über mehrere Stunden geht. Ich persönlich liebe Sets ab drei Stunden aufwärts, auch gerne mal fünf bis sechs.

Deine aktuellen Lieblings-Sets/Lieblings-Tracks, die du uns empfehlen möchtest?

Alpha Portal & Burn in Noise: Edge of Sanity (Unreleased)
Earthspace: Triplanetary
Circuit Breakers: Freaky
Menog & Mad Maxx: Time To Party
Shivatree - Psychedelic Experience

Danke sehr, wir sehen uns bei Urknall!

9.2. | 23 Uhr | Scandale Cottbus
www.fb.com/scandale.cottbus