Von Schmerzen, Promis und Merkel

Es war im Jahr 2010, als Oliver Ratai zum ersten Mal die Tattoo-Nadel ansetzte – damals noch in seinem Kinderzimmer. Heute gilt der gebürtige Cottbuser als ein Geheimtipp für Anhänger des immer beliebter werdenden Körperkultes. Ob düster, bunt oder schlicht – zahlreiche Tattoos in der Lausitz gehen auf seine Kappe. Wir gingen mit ihm der Frage auf den Grund, was ein gutes Tattoo-Motiv ausmacht und welche vermeintlichen Trends man sich lieber sparen sollte.

Dient ein Tattoo nur der Verschönerung oder steckt für dich noch mehr dahinter?

Hinter jedem Tattoo, welches ich besitze, steckt für mich eine ganz persönliche Bedeutung. Ich finde es wichtig, dass Tattoos einen tieferen Sinn haben oder eine Geschichte erzählen. Es gibt natürlich auch Leute, die Tattoos einfach hübsch finden und sich bestimmte Körperstellen damit verschönern wollen – was ich auch nachvollziehen kann.

Wäre das Tätowieren noch dasselbe, wenn es schmerzfrei wäre?

Meine persönliche Einstellung dazu: Nimm die Schmerzen in Kauf und stell dich über deine Gefühle. Schmerzen finden nur im Kopf statt – und wenn du diesen Schmerz nach einer erfolgreichen Sitzung überwunden hast, macht dich das in gewisser Art und Weise stolz und auch „härter“.
Da jeder den Schmerz anders wegsteckt, muss man manchmal aber auch etwas gegen die Schmerzen unternehmen – für solche Fälle bin ich bei Sitzungen vorbereitet.

An wem würdest du gern mal ein Tattoo von dir sehen?

Ich fände es echt super, wenn Marilyn Manson ein Tattoo von mir hätte.

Welche bekannten Persönlichkeiten kamen bei dir bisher unter die Nadel?

Ich möchte nicht von „bekannten Persönlichkeiten“ sprechen. Bei mir waren immer Menschen unter der Nadel.

Welche Motive liegen deines Erachtens nach 2019 voll im Trend?

Da 2019 noch sehr jung ist, kann ich das gar nicht richtig beantworten ... 2018 aber waren Mandalas ein guter Trend – sie sind wirklich anspruchsvoll und gar nicht so hässlich.

Welche früheren Trends sind mittlerweile aus der Mode gekommen und sollte man lieber sein lassen?

Da fallen mir einige Sachen ein. Tribals, Unendlichkeitszeichen, Finger-Innenseiten mit Daten in Mini-Schrift und schlecht gestochene Gesichtstattoos zum Beispiel. Am besten man lässt alles sein, was man von diesen sogenannten „Promis“ sieht. Mein Tipp: TV wegwerfen, hinsetzen und selbstständig überlegen, was man möchte.

Was macht für dich ein zeitloses Motiv aus?

Alles, was eigenständig überlegt wurde! Wenn ich mit jemandem zusammen ein Motiv entwickle, dann ist das immer eine großartige Sache.

Wie sammelst du Inspirationen für deine Motive?

Die meiste Zeit zeichne ich Kundenwünsche – da ist das Thema vorgegeben und es ist leicht, daraus etwas umzusetzen. Wenn ich etwas mehr Zeit habe und für mich zeichne, bewegen mich bestimmte Themen wie Trauer, Gesellschaftliches, manchmal sogar Abneigung. Das ist sehr persönlich und schwer zu erklären. Um kurz zu bleiben: Ich zeichne das, was mir gefällt und setze mich damit auseinander, was mir in dieser Welt gegen den Strich geht.

Wenn jemand ein Tattoo als Andenken an seine Heimatstadt Cottbus stechen lassen wollen würde, was würdest du zeichnen?

Am einfachsten wäre natürlich der Krebs als Wappentier. Vielmehr kommt es aber darauf an, was die individuelle Person mit Cottbus verbindet. Das ist vielleicht der Spreewald oder die Lieblingskneipe.

Welches Motiv blieb dir für immer im Gedächtnis, weil es so ausgefallen war?

Der verfaulte Kopf von Angela Merkel, aufgespießt auf einem umgedrehten Kreuz – das war schon sehr speziell und nett.

Welche Körperstelle war die schrägste, an der du dich jemals verewigen durftest?

Ein Wort: DAMM.

Terminvereinbarungen: Bitte über Instagram, Facebook oder WhatsApp (in der Regel 14-21 Uhr möglich).

www.instagram.com/oliver_ratai
www.fb.com/oliver_ratai 
WhatsApp: 0176 58879655

Mehr Fragen & Bilder an den Tätowierer Oliver Ratai findet ihr im lauter.de-Magazin 02/2019. Hier bekommt ihr das lauter.de-Magazin.